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Reaktivierung der Tullner Westschleife

Unmittelbar vor Inbetriebnahme der neuen Eisenbahnbrücke über die Donau in Tulln wird eine Probebelastung mit acht Tauruslokomotiven durchgeführt. Damit wird ein Gesamtgewicht von 688 t auf die Brücke gebracht.

Trotz widriger Witterungsverhältnisse im Winter 2008/09 und hochwasserbedingter Verzögerungen beim Einschwimmen der neuen Tragwerksteile kann die neue Tullner Donaubrücke nach nur 15 Monaten Bauzeit am 27. Oktober 2009 mit beiden Gleisen in Betrieb genommen werden.

Mit der Aufhebung der Sperre der Tullner Donaubrücke können auch die Pendler wieder aufatmen.

Für die Fahrgäste aus dem Waldviertel (Gmünd, Eggenburg) tritt ab 27. Oktober der gewohnte Fahrplan mit dem Ziel Franz-Josef-Bahnhof in Kraft, wodurch sich eine Zeitersparnis von ca. 20 - 45 Minuten (je nach Route) ergibt.

Aus Richtung Krems besteht von 27. Oktober bis 13. Dezember die Möglichkeit, in den Hauptverkehrszeiten (Montag - Freitag) ebenfalls wieder direkt zum FJB zu fahren, zusätzlich gibt es zu den Hauptverkehrszeiten aber auch weiterhin Direktverbindungen über Stockerau - Wien Praterstern - Wien Mitte - Wien Meidling.

Tagsüber: REX-Züge ab Krems/D. über Absdorf-Hippersdorf nach Stockerau mit derzeitigen Anschlussschnellbahnen von bzw. nach Wien und retour. In Absdorf-Hippersdorf besteht somit zusätzlich wieder die Möglichkeit, von den Zügen ab Wien Franz-Josef-Bahnhof nach Gmünd in die Züge Richtung Krems mit einer kurzen Anschlusszeit umzusteigen.

Die Probebelastung

Bei Brücken mit einer Stützweite von mehr als 15 Metern wird unmittelbar vor der Inbetriebnahme eine Probebelastung durchgeführt. Die neue Tullner Donaubrücke hat eine Gesamtlänge von 440 Metern und besteht aus einem Stahltragwerk mit einer Stahlbetonverbundplatte für die „Fahrbahn“. Basierend auf der Länge der Brücke und den Materialeigenschaften wurde bei der Planung eine belastungsabhängige Durchbiegung der Brücke errechnet.

Bei der heutigen Probebelastung werden mit insgesamt acht Tauruslokomotiven, jede mit einem Gewicht von 86 Tonnen, zehn verschiedene Belastungssituationen simuliert. Dabei wird die Tragwerksverformung an der Tragwerksunterkante der Brückenfelder 1 bis 3 mit und ohne Belastung durch die Loks auf den Millimeter genau optisch vermessen und mit den prognostizierten Verformungen von rd. 22 - 25 mm in Feldmitte verglichen.

Neben den acht Tauruslokomotiven sind für die Probebelastung rund 30 Personen im Einsatz. Dazu zählen neben den Triebfahrzeugsführern die Verschieber, die Sicherungsposten, die Vermesser, die Planer sowie die Fachkräfte der Projektleitung und der Abteilung Brückenbau der ÖBB-Infrastuktur AG.

Während der Totalsperrre der Tullner Brücke wurde im Rahmen der Reaktivierung der Tullner Westschleife auch die Brücke über die Wienerstraße in acht Monaten Bauzeit neu errichtet. Weiters wurden die Brücken über die Landesstraßen 2156 und 2152 und die B 19 umgebaut. Im Anschluss an die Probebelastung der Tullner Donaubrücke werden auch diese Brückenobjekte der Tullner Westschleife auf die errechneten Sollwerte überprüft.

Die Probebelastung bildet den baulichen Abschluss der neuen Eisenbahnbrücken in Tulln, bevor sie für den Verkehr freigegeben werden.

Brückenmonitoring

Bei der Tullner Donaubrücke wurde aufgrund ihrer Länge und der innovativen Brückenkonstruktion mit der Festen Fahrbahn nach dem System Edilon ein automatisches Brückenmonitoring-System eingebaut. Dieses System beinhaltet Messeinheiten für die Höhenlage, die Unterbauverformung, die Tragwerksverformungen, Tragwerksbewegungen und Spannungsmessungen. Damit wurden auch die Einschwimmvorgänge und das Absetzen der beiden neuen Tragwerksteile auf die Pfeiler meßtechnisch begleitet und dokumentiert.

Die Tullner Donaubrücke

Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife wurde die 104 Jahre alte Tullner Donaubrücke einer Generalsanierung unterzogen. Das alte, aus fünf Feldern bestehende Eisenbahntragwerk wurde abgetragen und durch ein neues ersetzt, das den aktuellen Anforderungen des Eisenbahnverkehrs im Hinblick auf Lasten, Geschwindigkeit, Lebensdauer und Lärmschutz entspricht.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Lärmschutz im Bereich der Donaubrücke zu, die sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern befindet. Aus diesem Grund wird die Eisenbahnbrücke mit Schallschutzwänden und einer festen Fahrbahn ausgestattet, bei der die Schienen mit einem Kork-Elastomer-Granulat vergossen sind. Diese besondere Schienenlagerung verringert die Schallemmissionen entscheidend.

Zahlen, Daten, Fakten
Gesamtlänge der Brücke 440 m
Gesamtgewicht 13.000 t
Gewicht Stahlkonstruktion 3.800 t
Massen (Tragwerk + Pfeiler) 8.600 m³ Beton und Stahlbeton
1.700 t Bewehrungsstahl
20.000 m² Korrosionsschutz
Baukosten rd. 44 Mio. Euro (Preisbasis Jänner 2008)
Auftragnehmer ARGE Donaubrücke Tulln:
ARGE Porr Technobau und Umwelt AG/Strabag AG Direktion IC/Swietelsky Bau GmbH/MCE Stahl- und Maschinenbau GmbH & Co
Bauzeit Juli 2008 - Ende Dezember 2009 (inkl. Restarbeiten)

Reaktivierung der Tullner Westschleife

Nach dem Krieg wurde die damals zweigleisige Strecke Tulln-Herzogenburg rückgebaut und die Tullner Westschleife stillgelegt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Neubaustrecke Wien-St. Pölten wird diese Gleisschleife, welche die Franz-Josef-Bahn mit der Bahnlinie Tulln-Herzogenburg verbindet, reaktiviert. Beide Bahnlinien werden im neuen Regional- und Überholbahnhof Tullnerfeld mit der Neubaustrecke Wien - St. Pölten verknüpft, wodurch die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt St. Pölten und der Bundeshauptstadt Wien besonders für die Bahnkunden und Pendler aus dem nördlichen Niederösterreich und dem Bezirk Tulln deutlich verbessert wird.

Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife werden in Tulln sämtliche niveaugleichen Eisenbahnkreuzungen aufgelassen und durch Unterführungen ersetzt, zwei neue Kreisverkehre errichtet und die Haltestelle Tulln Stadt neu gebaut.

Die Investitionen für die Reaktivierung der Tullner Westschleife werden anteilig von der ÖBB-Infrastruktur Bau AG, dem Land Niederösterreich und der Stadt Tulln getragen.

Informationen zum Projekt

Nähere Informationen zum Projekt bieten wir in der Infobox (Tulln, Wilhelmstraße, geöffnet täglich 09:00 bis 19:00 Uhr) oder im Internet unter www.oebb.at.

Rückfragehinweis:
Dr. Renate Pelz-Nakladal
Stab Projektinformation
ÖBB-Infrastruktur AG
Telefon: +43 664  841 71 39
E-Mail: renate.pelz@bau.oebb.at