Mit dem Einschwimmen des zweiten Tragwerkes der Tullner Eisenbahnbrücke sind die Arbeiten zu Wasser abgeschlossen. Damit präsentiert sich die neue Tullner Eisenbahnbrücke erstmals in ihrer gesamten Länge von
Nachdem das alte Brückentragwerk bereits im Mai dieses Jahres ausgeschwommen und am Ufer zerlegt wurde, konnte am 17. Juni der erste neue Tragwerksteil bei strahlendem Wetter und zahlreichen interessierten Beobachtern eingeschwommen werden. Aufgrund der hochwasserbedingten höheren Durchflussmenge und der daraus resultierenden Strömungsgeschwindigkeit der Donau wurde das zweite und damit letzte Tragwerk erst heute mittels Schwerlastpontons eingeschwommen. Dieser 1.500 t schwere und 182 m lange Großbauteil wurde exakt um 11.40 Uhr in die Brücke eingepasst, damit wurde die Lücke geschlossen.
Die durch das Hochwasser entstandene zeitliche Verzögerung beim Einschwimmen erfordert eine Überarbeitung des gesamten Bauablaufplanes und wirkt sich auch auf die nachfolgenden Bauschritte aus. Daher ist mit einer Verlängerung der Komplettsperre für den Bahnbetrieb von zwei bis drei Wochen zu rechnen. Die Inbetriebnahme des ersten Gleises wird voraussichtlich Mitte Oktober erfolgen. Der Termin für die Gesamtfertigstellung der Brücke Ende Dezember bleibt weiterhin aufrecht.
Aus- und Einschwimmen der Tragwerke
Das alte Tragwerk bestand aus insgesamt 5 Feldern. Die beiden Randtragwerke wurden vom Ufer aus demontiert, die mittleren Tragwerksteile wurden mittels Schwerlastpontons ausgeschwommen und am nördlichen Ufer für den Abtransport zerlegt.
Das neue Tragwerk besteht aus zwei Großbauteilen, zwei Randfeldern und einer Stahlbetonverbundplatte für die „Fahrbahn“. Die Montage der Randfelder erfolgte vom Ufer aus.
Die beiden flussseitigen Tragwerksteile haben eine Länge von je 182 m und ein Gewicht von je rund 1.500 t. Sie wurden in einer eigens errichteten Montagehalle am nördlichen Donauufer vorgefertigt, mittels Schwerlastpontons zu den Brückenpfeilern eingeschwommen und auf wenige Millimeter genau auf die Brückenpfeiler aufgesetzt. Die Manövrierung der Pontons durch die beiden Schubschiffe war Präzisionsarbeit.
Die beiden Pontons der Firma MAMMOET (Niederlande) haben ein Eigengewicht von je 380 t und eine Ladekapazität von je 1.700 t. Sie wurden zu einem Schwimmkörper von 65 m Länge und 22,8 m Breite gekoppelt. Die Pontons werden über Winden mit in der Donau verankerten Seilen geführt, die Manövrierung erfolgt mit zwei Schubschiffen.
Die Tullner Donaubrücke
Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife wird die 104 Jahre alte Tullner Donaubrücke einer Generalsanierung unterzogen. Das alte, aus 5 Feldern bestehende Eisenbahntragwerk wurde abgetragen und durch ein neues ersetzt, das den aktuellen Anforderungen des Eisenbahnverkehrs im Hinblick auf Lasten, Geschwindigkeit, Lebensdauer und Lärmschutz entspricht.
Eine besondere Bedeutung kommt dem Lärmschutz im Bereich der Donaubrücke zu, die sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern befindet. Aus diesem Grund wird die Eisenbahnbrücke mit Schallschutzwänden und einer festen Fahrbahn ausgestattet, bei der die Schienen in einem Kork-Bitumen-Granulat eingegossen sind. Diese besondere Schienenlagerung verringert die Schallemmissionen entscheidend.
Pfeilerverstärkung
Im ersten Bauschritt wurden die Brückenpfeiler entsprechend dem heutigen Stand der Technik für den Fall eines Schiffsanpralles verstärkt. Durch die Ummantelung der Pfeiler konnte der Gleisabstand von 4,0 m auf 4,5 m erweitert werden. Diese Arbeiten haben im Juli 2008 begonnen und fanden unter teils sehr schwierigen Bedingungen bei laufendem Betrieb der Eisenbahn- und der Straßenbrücke statt. Auch die Schifffahrt durfte nicht behindert werden.
Nächste Schritte
In der kommenden Bauphase werden die Rand- und Mittelteile des neuen Tragwerkes miteinander verschweißt. Anschließend wird die Betonfahrbahnplatte hergestellt. Danach wird der Oberbau (Gleisbau) als feste Fahrbahn und die Ausrüstung (Fahrleitung, Signale) errichtet.
| Zahlen, Daten, Fakten | |
| Gesamtlänge der Brücke | 440 m |
| Gesamtgewicht | 13.000 t |
| Gewicht Stahlkonstruktion | 3.800 t |
| Massen | 8.600 m³ Beton und Stahlbeton 1.700 t Bewehrungsstahl 20.000 m² Korrosionsschutz |
| Baukosten | rd. 44 Mio. Euro (Preisbasis Jänner 2008) |
| Auftragnehmer | ARGE Donaubrücke Tulln: ARGE Porr Technobau und Umwelt AG/Strabag AG Direktion IC/Swietelsky Bau GmbH/MCE Stahl- und Maschinenbau GmbH & Co |
| Bauzeit | Juli 2008 - Dezember 2009 |
Reaktivierung der Tullner Westschleife
Nach dem Krieg wurde die damals zweigleisige Strecke Tulln-Herzogenburg rückgebaut und die Tullner Westschleife stillgelegt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Neubaustrecke Wien-St. Pölten wird diese Gleisschleife, welche die
Franz-Josef-Bahn mit der Bahnlinie Tulln-Herzogenburg verbindet, reaktiviert. Beide Bahnlinien werden im neuen Regional- und Überholbahnhof Tullnerfeld mit der Neubaustrecke Wien – St. Pölten verknüpft, wodurch die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt St. Pölten und der Bundeshauptstadt Wien besonders für die Bahnkunden und Pendler aus dem nördlichen Niederösterreich und dem Bezirk Tulln deutlich verbessert wird.
Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife werden in Tulln sämtliche niveaugleichen Eisenbahnkreuzungen aufgelassen und durch Unterführungen ersetzt, zwei neue Kreisverkehre errichtet und die Haltestelle Tulln Stadt neu gebaut.
Die Investitionen für die Reaktivierung der Tullner Westschleife werden anteilig von der ÖBB-Infrastruktur Bau AG, dem Land Niederösterreich und der Stadt Tulln getragen.
Informationen zum Projekt
Nähere Informationen zum Projekt bieten wir in der Infobox (Tulln, Wilhelmstraße, geöffnet täglich 09:00 bis 19:00 Uhr) oder im Internet unter www.oebb.at.
Rückfragehinweis:
Dr. Renate Pelz
Stab Projektinformation
ÖBB-Infrastruktur Bau AG
Telefon: +43 664 841 71 39
E-Mail: renate.pelz@bau.oebb.at










