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Reaktivierung der Tullner Westschleife: Das alte Tragwerk der Tullner Eisenbahnbrücke wird ausgeschwommen.

Die Tullner Donaubrücke muß 104 Jahre  nach ihrer Erbauung einer Generalsanierung unterzogen werden. Das alte, aus 5 Feldern bestehende Tragwerk wird abgetragen und durch ein neues ersetzt, das den aktuellen Anforderungen des Eisenbahnverkehrs im Hinblick auf Lasten, Geschwindigkeit, Lebensdauer und Lärmschutz entspricht.

Mit den ersten Bauarbeiten an den Pfeilern wurde bereits im Juli 2008 begonnen. Um den Straßen-, Bahn- und Schiffsverkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen wurden sehr knappe Zeitfenster für die einzelnen Arbeitsschritte im Bauablaufplan vorgesehen. „Gearbeitet wird daher auf Hochdruck, zum Teil unter sehr schwierigen Randbedingungen. Vor allem in den Wintermonaten haben die Bauarbeiter Enormes geleistet.“ sagt Projektleiter Ing. Reinhold Hödl.

Auch Bürgermeister Willi Stift ist mit dem Baufortschritt sehr zufrieden und betont die Notwenigkeit des Projektes für die Stadt Tulln: "Wenn man im Moment baustellenbedingt auch Umleitungen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen muss. Die Bürger Tullns und der umliegenden Katastralgemeinden werden in Zukunft von der Erneuerung der Tullner Donaubrücke, der Reaktivierung der Tullner Westschleife und der Anbindung an den neuen Tullnerfelder Bahnhof profitieren. In rund 20 Minuten erreicht man dann von der Bezirksstadt aus sowohl Wien als auch St. Pölten. Gebaut wird seitens der ÖBB nach dem neuesten Stand der Technik, auch Lärmschutzmaßnahmen wurden ausverhandelt. Die alte Eisenbahnbrücke war eines der größten Lärmprobleme Tullns. Mit der Neuerrichtung wird sich die Lebensqualität in Tulln deutlich erhöhen!"

Die Tullner Donaubrücke
Die Tullner Donaubrücke besteht aus einem zweigleisigen Eisenbahntragwerk und einem stromabwärts gelegenem Straßentragwerk mit zwei Fahrspuren. Beide Tragwerke bestehen aus stählernen Fachwerksträgern, die auf gemeinsamen Flußpfeilern und Widerlagern ruhen. Die Brücke wurde im Jahr 1904 errichtet, während des Krieges zerstört und in den Jahren 1945 bis 1948 wieder aufgebaut.

Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife wird die Brücke mit einer Gesamtlänge von rd. 440 m einer Generalsanierung unterzogen. Im ersten Bauschritt wurden die Brückenpfeiler entsprechend dem heutigen Stand der Technik für den Fall eines Schiffsanpralles verstärkt. Durch die Ummantelung der Pfeiler konnte der Gleisabstand von 4,0 m auf 4,5 m erweitert werden. Diese Arbeiten fanden unter teils sehr schwierigen Bedingungen bei laufendem Betrieb der Eisenbahn- und der Straßenbrücke statt. Auch die Schifffahrt durfte nicht behindert werden.  

Aus- und Einschwimmen der Tragwerke
Die Demontage der bestehenden Tragwerke und die Endmontage des neuen Tragwerkes einschließlich der betriebsfertigen Ausstattung werden in einer sechsmonatigen Gleissperre durchgeführt.

Das alte Tragwerk besteht aus insgesamt 5 Feldern, die beiden Randtragwerke wurden bereits vom Ufer aus demontiert. Die mittleren Tragwerksteile werden mittels Schwerlastpontons ausgeschwommen und am nördlichen Ufer für den Abtransport zerlegt.

Das neue Tragwerk besteht aus zwei Großbauteilen zu je 182 m Länge und zwei Randfeldern. Die Montage der Randfelder erfolgt vom Ufer aus. Die beiden flußseitigen Brückenfelder wurden in einer eigens errichteten Montagehalle am nördlichen Donauufer vorgefertigt und werden für die Endmontage ebenso mittels Schwerlastpontons eingeschwommen.

Die beiden Pontons der Firma MAMMOET (Niederlande) haben ein Eigengewicht von je 380 t und eine Ladekapazität von je 1.700 t. Sie werden zu einem Schwimmkörper von 65 m Länge und 22,8 m Breite gekoppelt. Die Pontons werden über Winden mit in der Donau verankerten Seilen geführt, die Manövrierung erfolgt mit zwei Schubschiffen.

Lärmschutz
Eine besondere Bedeutung kommt dem Lärmschutz im Bereich der Donaubrücke zu, die sich in unmittelbarer Nähe zum Stadtkern befindet. Aus diesem Grund wird die Eisenbahnbrücke mit Schallschutzwänden und einer festen Fahrbahn ausgestattet, bei der die Schienen in einem Kork-Bitumen-Granulat eingegossen sind. Diese besondere Schienenlagerung verringert die Schallemmissionen entscheidend.

Zahlen - Daten - Fakten zum Projekt
Gesamtlänge der Brücke 440 m
Gesamtgewicht 13.000 t
Gewicht Stahlkonstruktion 3.800 t
Massen

8.600 m³ Beton und Stahlbeton
1.700 t Bewehrungsstahl
20.000 m² Korrosionsschutz

Baukosten rd. 44 Mio. Euro (Preisbasis Jänner 2008)
Auftragnehmer

ARGE Donaubrücke Tulln:
ARGE Porr Technobau und Umwelt AG/Strabag AG Direktion IC/Swietelsky Bau GmbH/MCE Stahl- und Maschinenbau GmbH & Co

Bauzeit Juli 2008 - Dezember 2009

Reaktivierung der Tullner Westschleife
Nach dem Krieg wurde die damals zweigleisige Strecke Tulln-Herzogenburg rückgebaut und die Tullner Westschleife stillgelegt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Neubaustrecke Wien-St. Pölten wird diese Gleisschleife, welche die Franz-Josef-Bahn mit der Bahnlinie Tulln-Herzogenburg verbindet, reaktiviert. Beide Bahnlinien werden im neuen Regional- und Überholbahnhof Tullnerfeld mit der Neubaustrecke Wien - St. Pölten verknüpft, wodurch die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt St. Pölten und der Bundeshauptstadt Wien besonders für die Bahnkunden und Pendler aus dem nördlichen Niederösterreich und dem Bezirk Tulln deutlich verbessert wird.

Im Zuge der Reaktivierung der Tullner Westschleife werden in Tulln sämtliche niveaugleichen Eisenbahnkreuzungen aufgelassen und durch Unterführungen ersetzt, zwei neue Kreisverkehre errichtet und die Haltestelle Tulln Stadt neu gebaut.

Die Investitionen für die Reaktivierung der Tullner Westschleife werden anteilig von der ÖBB-Infrastruktur Bau AG, dem Land Niederösterreich und der Stadt Tulln getragen.

Informationen zum Projekt
Nähere Informationen zum Projekt finden Sie in der Infobox (Tulln, Franz-Zant-Allee/Ecke Wilhelmstraße geöffnet täglich 09:00 bis 19:00 Uhr) oder im Internet unter www.oebb.at.

Rückfragehinweis:
Dr. Renate Pelz
Stab Projektinformation
ÖBB-Infrastruktur Bau AG
Tel: +43 664  841 71 39